Der Nachtbock
Diese Geschichte entspringt meiner Kinderzeit und ist nicht
frei erfunden. Sie beruht auf wahren Tatsachen.
Es war einmal ein kleines Mädchen, welches auf den Namen
Christiane hörte und sich fürchtete wenn es alleine zu Hause bleiben soll. Es
hatte Angst vor den Nachtbock und verkroch sich jedes Mal in einem Schrank. Warum
das so war, hier steht es geschrieben.
Christiane war ein scheues kleines Mädchen, welches den Großteil bei seiner Oma
aufwuchs. Ihre Eltern waren Alkoholiker und schlugen wann immer sie es für
nötig hielten auf das arme Kind ein. Christiane spielte am liebsten mit Ihren
Katzen, welche sich immer freuten, wenn
sie von ihr etwas zu essen bekamen. Christiane war auch immer sehr um das Wohl
ihrer Oma bemüht, die wegen ihrer Krankheit ans Bett gefesselt war. Sie hatte
nur noch ein Bein und war auf die Hilfe ihrer Enkelin angewiesen. Nachts
schliefen sie gemeinsam in einem großen Ehebett und auch die Katzen leisteten
den beiden gerne Gesellschaft.
Christiane war kein Einzelkind. Sie hatte noch einen
größeren Bruder, der aber der Liebling der Familie war. Ihre Mutter war damals
Schwanger mit dem späteren kleinen Bruder.
Doch kommen wir nun wieder zurück zur Geschichte.
Eines Tages musste die Oma ins Krankenhaus, weil es Ihr gar
nicht gut ging. Im Vorfeld hatte die Mutter immer schon von dem Nachtbock
erzählt und ihn wie folgt beschrieben.
Er hat große rote ja glühende Augen, ist schwarz angezogen,
hat eine Kapuze auf dem Kopf unter der sich Hörner befinden. Er hat einen
langen schwarzen Mantel an und er holt die bösen Kinder von zu Hause um sie
dann zu fressen.
Christiane bekam ein Bild des Grauens von dem Nachtbock
eingeredet, so das sie versprach auch immer lieb zu sein, aus Angst gefressen
zu werden.
Als nun die Oma ins Krankenhaus kam war das kleine Mädchen
alleine zu Hause. Ihre Eltern beschlossen sich einen schönen Tag zu machen und
nahmen auch ihren Bruder mit. Siw wollten erst spät in der Nacht oder am frühen
Morgen heim kommen.
Bevor sie gingen sagten sie dem Kind, das es böse war und
sie dem Nachtbock Bescheid gesagt hatten, das er sie holen und fressen soll.
Zu Anfang schien es dem Mädchen nicht viel auszumachen, das
sie nun vollkommen alleine zu Hause war. Sie beschloss sich mit den Katzen zu beschäftigen und fütterte sie.
Sie bekam gar nicht mit, wie schnell die Zeit verging und es langsam dunkel
wurde.
Mit einsetzender Dämmerung machte sich das Kind noch keine
Großen Gedanken und es schien alles ganz normal zu sein. Doch dann plötzlich
hörte sie ein Poltern und ihr schossen
die Worte der Eltern in den Kopf. Ihr kleines Herz raste und sie verkroch sich
vor Angst in einem Kleiderschrank. Sie beschloss ganz still zu sein, damit sie
der Nachtbock auch ja nicht hörte.
Doch das Poltern kam immer näher. Plötzlich war Ruhe, das
einzige was zu hören war, war der rasende Herzschlag des kleinen Mädchens.
Schließlich klopfte es an dem Schrank, in welchem sich das
Kind verkrochen hatte. Jetzt also war es so weit. Der Nachtbock war gekommen
und wollte das Kind mitnehmen um es später zu fressen.
Das kleine Mädchen hatte nun schreckliche Angst das es
anfing ganz bitterlich zu weinen, doch es half ihm nichts.
Plötzlich wurde die Schranktür aufgerissen und dem Kind bot
sich ein Bild des Schreckens.
Er stand vor ihr, mit einem langen schwarzen Mantel….
Mehr sah das Kind nicht, als es die Augen zumachte und zu schreien begann. Mit
dem Schreien hatte sich das Mädchen in die Hose gemacht, solche Angst hatte
sie.
Sie schrie und weinte, weinte und schrie mit der Bitte, der
Nachtbock möge sie nicht mitnehmen, sie wolle auch nie mehr wieder böse sein.
Dann machte das Mädchen die Augen auf und der Nachtbock war
verschwunden, doch aus dem Nebenraum hörte es, wie er sagte: So geh nun in Dein
Bett und achte auf Dein Versprechen. Beim nächsten Mal nehme ich Dich mit.
Es müssen Ewigkeiten gedauert haben, bis die Eltern des
Mädchens und ihr größerer Bruder sich bemerkbar gemacht haben.
Sie waren die ganze Zeit schon da und hatten den Nachtbock
gespielt, was das arme Kind aber nicht wusste. Es erfuhr erst später davon, als
man es in ein Heim brachte, fort von ihren Eltern und fort von dem
schrecklichem.
© by Chris